Anlass dafür, dass sich Wissenschaftler für die Wirkungen des Lachens zu interessieren begannen, war in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der amerikanische Journalist Norman Cousins. Cousins litt an einer entzündlichen und äußerst schmerzhaften Erkrankung der Wirbelsäule. Durch Wissenschaftsberichte war er darauf aufmerksam geworden, dass Heiterkeit heilsam sei. Und so tauschte er das triste Krankenhauszimmer gegen ein Hotelappartement und ließ sich von Freundinnen und Freunden mit Witzen und Slapstick-Filmen zum Lachen bringen. Die Spaß-Medizin schlug an, Cousins genas.
Dies war Anlass dafür, dass sich Wissenschaftler mit diesem Phänomen unter der Führung von Dr. William Fry auseinander zu setzen begannen. Hieraus entstand in der Folgezeit die Wissenschaft vom Lachen (Gelotologie).
 

 

Wie funktioniert aber nun das Lachen? -
Was passiert dabei?

Wir ziehen die Mundwinkel nach oben. Wir grinsen - wir kichern - wir prusten ...  ... wir lachen, bis wir Bauchschmerzen bekommen: Der Mensch lacht, und zwar gerne und viel. Manchmal sogar, wenn er gar nichts zu lachen hat.

Die Nase legt sich in Falten, die Nasenlöcher weiten sich. Der Kopf wird zurückgeworfen, die Augen werden geschlossen. Der Zygomaticus - Muskel zieht den Mund nach oben und sorgt für einen glücklichen Ausdruck. Der Augenmuskel wird angespannt und aktiviert im Gehirn positive Gefühle. Der „Lachmuskel“ spannt 15 Gesichtsmuskeln an, darunter die des Tränensacks, so dass wir „unter Tränen lachen” können. Der Mund weitet sich, weil die Ein- und Ausatmung (stoßweise) vervielfacht wird. Dabei werden die Stimmbänder in Schwingung versetzt, so dass es die typischen stakkatoartigen Lachlaute gibt.
Oft überfällt uns der Lachvirus wie eine Infektion ohne Inkubationszeit. Dann sind wir nahezu wehrlos. Brustkorb und Zwerchfell schütteln sich, Pulsfrequenz und Blutdruck steigen rapide, das Gesicht rötet sich, der sich krümmende Oberkörper entlastet die straff gespannten Bauchmuskeln. Zur selben Zeit füllen sich die Lungenflügel bis zum Bersten, um den Atem mit etwa 100 Km/h durch die Luftröhre zu pressen. Dabei wird eine Folge stoßweiser vorgebrachter Laute hörbar. Das Zwerchfell „hüpft“ und massiert die Eingeweide. Das ganze dauert etwa 5 Sekunden und wiederholt sich sodann ein zweites oder drittes mal. Dann lässt die Anspannung nach, der Blutdruck normalisiert sich, ein angenehmer Zustand von Entspannung setzt ein.

Lachen ist Ausdruck von Befreiung und Spannungslösung. Im Lachen steigen wir aus jeglicher Selbstkontrolle aus. Wir überlassen uns ganz der „Weisheit des Körpers“ - so wie das auch ein neugeborenes Kind tut. Damit kann die ursprünglichste und reinste Lebensfreude fließen.

Bei Frauen und Männern gibt es auch hier den kleinen Unterschied: Während Männer ca. mit 270 Hertz / Sekunde lachen, bringen es die Frauen auf immerhin 500 Hertz. Obertöne erreichen sogar bis zu 6.000 Hertz pro Sekunde.

Kinder lachen oder lächeln durchschnittlich 400 mal am Tag, während den Erwachsenen das Lachen mehr und mehr zu vergehen scheint: Sie lachen durchschnittlich nur noch 15 mal am Tag. Die Tendenz ist bedauerlicherweise weiterhin sinkend. Verschiedenen Studien zufolge wurde vor 40 Jahren drei mal mehr gelacht als heute. Das ist um so bedauerlicher als das Lachen mit Sicherheit die beste Medizin ist. Bis zu 300 verschiedene Muskeln werden bei einem Lachvorgang aktiviert. Lachen ist wie innerliches Jogging des Organismus und gleichzeitig Balsam für die Seele.

Der „normale Erwachsene“ findet sich in der alternativen Welt des Humors oft nicht zurecht, insbesondere dann, wenn er an die gesellschaftlichen Spielregeln besonders stark angepasst ist. Doch auch der humorloseste Mensch kann seinen „Sinn für Humor“ (wieder-)entdecken, indem er den Weg zurück in die Kindheit einschlägt. Der Clown, der mittlerweile in der Erwachsenenbildung als Seminarleiter fungiert, wird ihm dabei hilfreich zur Seite stehen! Mit ihm zusammen kann jener Perspektivenwandel vollzogen werden, der es ermöglicht, das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten - und dadurch Widersprüche, Absurditäten und Ungereimtheiten zu entdecken, die grundsätzlich komisch sein können.

Lachen öffnet Türen und Herzen. Wer viel lacht und lächelt, ist in der Regel mit sich selbst zufrieden und wer mit sich selbst zufrieden ist, hat immer genug Grund, seiner Heiterkeit freien Lauf zu lassen. Fängt man erst mal richtig zu lachen an, setzt schnell ein positiver Kreislauf ein: Ein vermeintlich hartes Schicksal lässt sich leichter ertragen, die Arbeit geht besser von der Hand und macht dementsprechend mehr und mehr Spaß, usw. Menschen mit Humor meistern ihre Karriere zumeist spielerisch, Grieskrämer tun sich schwer und sind selbst bei guter Qualifikation meist nicht so erfolgreich wie fröhliche Menschen.
Lachen lockert Komplexe, ebnet psychologische Hemmschwellen, bereinigt „schwierige“ Situationen: Wer kennt das nicht, kleine Verlegenheitsmomente können in jeder noch so eingespielten Gruppe auftreten, sei es privat oder am Arbeitsplatz, da hilft oft ein kleiner Witz (muss noch nicht mal so witzig sein, gelacht wird dennoch, aus der angespannten Situation heraus), um die Gruppe zum Prusten zu bringen. Danach ist die allgemeine Stimmung gleich viel lockerer. Lachen ist das gesündeste Ventil, um angestaute Aggressionen abzulassen.

„Bleib immer Kind im Herzen, weil Kinder glücklich sind“, die moderne Lachforschung macht deutlich, wieviel Wahrheit in diesem Spruch liegt, der so manches Poesie-Album ziert. Hat man sich erst einmal bewusst gemacht wie gut das Lachen tut, ist es leichter, damit anzufangen, in den positiven Kreislauf einzusteigen. Auch wenn Ihnen wirklich nicht zum Lachen zumute ist, lachen Sie trotzdem: So paradox es klingen mag: Lachen kann „trainiert“ werden.
Durch die Anregung der betreffenden Muskeln und das Ingangsetzen physiologischer Vorgänge wird man fröhlicher. Das Lachen fällt dann immer leichter und die schützende Hand des Frohsinns hält Trauer und Frust besser von uns fern.
In England gibt es sogar schon das „Lachen auf Rezept“, speziell ausgebildete Lachtherapeuten bringen ihren Patienten die Fröhlichkeit und die Gesundheit zurück.
Lesen Sie, wie sich das Lachen auf Körper, Psyche und Geist auswirkt.
Der Lachende überlässt seinen Körper sich selbst; er verzichtet auf „Kontrolle“. So ist das Lachen unverkennbar Ausdruck einer naiven Lebensfreude, die keiner vernünftigen Begründung bedarf und keine normative Reglementierung erträgt. Im Lachen offenbart sich die affektive Lebendigkeit des Menschen in seiner ursprünglichsten Weise. Die Lachforscher haben den physischen Akt des Lachens mit einer Befreiung in Zusammenhang gebracht, die Spannungen auflöst, Selbstheilungskräfte mobilisiert und den Energiefluss im Körper erleichtert. Psychologisch lässt sich das als eine Freisetzung von aggressiver Energie verstehen. So interpretiert die Wissenschaft das Zähnezeigen und die typischen Lautäußerungen beim Lachen als eine ritualisierte archaische Drohgebärde.

Die heilsame Wirkung des Lachens ist heute ein wichtiges Thema in der Psychotherapie. So versucht man mit Hilfe bestimmter provokativer Gesprächstechniken auf Seiten des Patienten eine „Humorreaktion“ hervorzurufen - das heißt Erkenntnisse anzuregen, die mit Erheiterung einhergehen und sich im Lächeln und / oder Lachen äußern. Zusätzlich wird versucht, die physiologische Heilkraft des Lachens durch bestimmte averbale Übungen in Gang zu setzen. Am bekanntesten in diesem Zusammenhang ist das "Yoga-Lachen", das in indischen Lachklubs entwickelt wurde (Dr. Madan Kataria nennt es das „self- inducing laughter”, es ist „Lachen ohne Witz“). Lachclubs gibt es inzwischen weltweit.

Und so ist Lachen auch in Deutschland zu einer Bewegung geworden. Inzwischen gibt es deutschlandweit mehr als 40 Lachclubs.
Wer lacht, schaut sich selbst von außen zu. Und natürlich den anderen. Lachen ist ein soziales Phänomen, deshalb funktioniert es im Club so gut. Wenn andere lachen, lacht man mit. Das Lachtraining soll Lebensgeister wecken, munter machen, heilen, helfen. Und tatsächlich: Nach einer halben Stunde ,,Hoohoo, Hahaha“ fühlt man sich angenehm beschwingt. Man steht dann etwas über den Dingen, auch über solchen Kleinigkeiten wie Vorwürfen von Vereinsmeierei oder Unspontaneität. Das liegt an den Hormonen. Wenn sich der Körper vor Lachen schüttelt, schüttet er Hormone aus, die die Heiterkeit noch weiter anstacheln. Zusätzlich steigt durch andauerndes Gelächter auch die Anzahl der Immunglobuline und der T-Lymphozyten im Körper. Die sollen gegen vielerlei schützen: Gegen Viruserkrankungen, Herzinfarkt und Krebs.

Lachen ist für den französischen Philosophen Henri Bergson nicht „begreifbar“, es entziehe sich geradezu jeder begrifflichen Erkenntnis. Es sei wie die Schaumkrone auf einer Meereswoge, und der Theoretiker des Lachens sei wie ein Kind, das den Schaum mit der Hand abschöpfe und sich wundere, dass gleich darauf nur noch ein paar Wassertropfen durch seine Finger rinnen, viel salziger, viel bitterer als das Wasser der Welle, die den Schaum an den Sand trug. Das Lachen ist eine Reaktion des Körpers, in der dieser sich gegen Vergeistigung, Rationalisierung und Abstraktion behauptet.

Einmal im Jahr treffen sich die Gelotologen zum Humorkongress. Dort werden Erfahrungen über den Einsatz von Humor in der Psychotherapie ausgetauscht, neue Erkenntnisse der Schulmedizin zu den Wirkungen des Lachens vorgestellt.

Die Fach- und Lachliteratur ist voll von Beispielen, wie Therapeuten ihre Patienten mit Witz und Humor provozieren und sie damit zwingen, eine neue Sichtweise auf ihre Probleme einzunehmen. Aber nicht bei nur seelischen Problemen soll Lachen heilen helfen.

Ein Beispiel einer Selbstheilung durch Lachen erwähnt jeder Gelotologe gern: Die Geschichte des Wissenschaftsjournalisten Norman Cousins. Der Mann erkrankte vor dreißig Jahren an einer degenerativen Entartung der Grundsubstanz der Gelenke und der Wirbelsäule. Die Ärzte stuften seine Überlebenschance als sehr gering ein. Als er glaubte, dass ihn die Ärzte im Krankenhaus nicht mehr helfen konnten, entschloss sich Cousins zur Selbsttherapie. Er verließ das Krankenhaus, quartierte sich in ein Hotel ein und ließ sich systematisch zum Lachen bringen. Freunde und Bekannte mussten Witze erzählen oder lustige Geschichten vorlesen, im Fernsehen lief Comedy. Cousins stellte fest, dass zehn Minuten intensives Lachen die Schmerzen für einige Zeit verschwinden ließ. Was er nur fühlte, wurde im Krankenhaus gemessen: Seine Blutwerte waren nach der Lachkur tatsächlich besser. Cousins hat sich gesund gelacht - und ein Buch darüber geschrieben (Der Arzt in uns).

Dass Lachen gesund ist, ist eine Volksweisheit, aber auch medizinische Erkenntnis. Und das gibt dem Treffen der organisierten Lacher in den Lachclubs wenn auch keinen ernsten, so doch zumindest einen ernsthaften Hintergrund. Gemeinsames Lachen ist nicht albern sondern hilfreich.

Auszüge aus:
Hannoversche Allgemeine, 24. 02 2001
Newsletter von www.humor.ch, 30. 07 2001

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Weiterführende Informationen:
“Die gesundheitsfördernde Wirkung des Lachens”- eine Zusammenfassung von Forschungsergebnissen und empirischen Erfahrungen von Dr. Roland Schutzbach, Philosoph.
Häufig gestellte Fragen und deren Beantwortung aus wissenschaftlicher Sicht von Dr. Michael Titze,
1. Vorsitzender von HumorCare, Deutschland.
Literaturliste, in der Sie eine Vielzahl an Büchern finden, die sich mit nahezu allen Aspekten des Lachens aus heiterer und ernster Sicht befassen.